27 Oktober, 2006

Reindlalm kills !

Also, der Wendelstein und die Reindlalm behalten ihren Schrecken... vorerst. Holger und ich sind am Samstag, den 21.10.06 um 5:30Uhr hier in Nürnberg los, und waren nach dem traditionellen Kotz-frühstück bei Mc Doof auch um 8:05 bereits in den Pedalen am Parkplatz der Wendelstein-Zahnradbahn in Brannenburg. Entgegen aller Prognosen war das Wetter gut.
Nicht weniger als den Wendelstein, den Spitzingsee, Rotwandhaus und Umrundung des Brünnsteins an einem Tag stand auf dem Programm, und vor allem auch noch ne Radtour vor der ätzenden Winterpause und sowas wie'n kleines Revenge nach dem Master-Disaster beim Ötzi, als uns Holger mit 1:30h Abstand eiskalt abserviert hatte...
Nun lag also die jungfräuliche Auffahrt zum Reindlalm am Sattel des Wendelsteins vor uns, bei der noch jeder von uns bisher abgestiegen und geschoben hat. Als Ötzi-Vorbereitung hatten wir uns das schon vorgenommen, aber da wurde nix draus. Jetzt also sollte es klappen, auch wenn Markus daheim im neuen Häusle Boden verlegt und Eigenheimmagazine blättert.
Mit den bikes gabs keine Probleme, die Ketten surrten, die Schaltungen klickten und Holger war besonders stolz auf seine neue V-brake, die er aus Gewichtsgründen gegen seine MAGURA-Hydraulik eingetauscht hatte.
Noch hing der Schlaf in den Augenliedern, da kam schon das erste "Aus" der Non-Stop-Durchfahrung kurz nach dem Wechsel vom Asphalt auf den Schotterweg. Noch halb mit Reden beschäftigt, noch halb schlafend kam ich aus dem Gleichgewicht, steuerte unaufhaltsam mit 5km/h bei 21% Steigung auf die Grasnabe am Rande des Schotterweges zu, und mußte den Fuß absetzten. AUS ! - vor lauter Schreck kam Holger auch gleich ins Wanken und suchte ebenfalls Halt mit den Füssen auf dem Schotter. AUCH AUS ! - Feierabend ! - wäre es eine ähnlich verbissene Veranstaltung gewesen wie der Ötzi, hätten wir eigentlich gleich wieder umkehren können. Die legendäre, noch ausstehende  Durchfahrung war bereits noch weit vor der eigentlichen Schlüsselstelle versiebt. Doch damit hielten wir uns heute nicht auf. Gleich gings weiter, und wir kurbelten uns warm Richtung Mittelstation, nach der es dann mit nicht-enden-wollenden-26% auf Schotter richtig zur Sache geht.
Um uns richtig zu motiovieren hatten wir uns noch vorgestellt, mit welch grünem Gesicht Markus wohl kotzen würde, wenn uns heuer die Nonstop-Durchfahrung gelingen würde, oder jetzt doch wenigstens die Durchfahrung ohne Schieben. Holger mußte vorlegen und relativierte seine Chancen schon vor der Schlüsselstelle mit dem Hinweis, dass "sowas noch nie seine Stärke" gewesen sei, und ich auf den Transalps auch immer noch hätte weiter auf dem Trails bergauf fahren können wie er, usw. Wir kämpften uns gerade an die erste aberwitzige Steigung heran, als von hinten ein Geländeauto die Konzentration zerstörte und uns überholte. Diesmal ohne Sägebrecht. Holger kämpfte sich vor mir tapfer über den Schotter, zog  ein ums andere mal die Pedale durch und scheiterte schließlich an bekannten Stellen in der Auffahrt an mangelndem Gleichgewicht und hinderlichen Schotter. Ein weiteres Anfahren gelang vorerst nicht, und so schob Holger ab da an.
Hier zeigte sich eindeutig der Vorteil der Fat-Alberts, die mein Billigbike noch immer zieren. Zwar sind die Walzen sündhaft teuer, aber 2.35 Breite graben sich einfach bulldog-mäßig in den Dreck und geben Gripp, wo eigentlich keiner mehr ist. Ich zog also an Holger vorbei und kämpfte mich Drehung um Drehung die 26% hinauf. Ich rechnete jeden Moment mit dem Scheitern, und doch ging es weiter und weiter hinauf. Schon gleich zu Beginn des Steilstückes war man mitten drinn in dem Kampf um die richtige Drehzahl der Kurbel, der richtigen Geschiwndigkeit (nicht zu langsam für Gleichgewicht, nicht zu schnell für die Beine) und der kontinuierlichen Suche nach sowas wie einer Linie zwischen den Schotterbrocken und Gesteinsrinnsalen in der Fahrbahn, die unweigerlich zum Absteigen führen. Holger war im Schieben nicht wesentlich langsamer als ich mit meiner Fahrt. Der Schweiß tropfte mir vom Helm über die Nase, lief in die Augen und dampfte aus dem Windstopper. Nicht aufgeben ! - weiter - weiter - weiter... Eine der elendigen Stahlabflussrinnen, die quer zur Fahrbahn verlaufen, verpasste mir dann die Glocke: ich hätte in der Auffahrt kurz vor der Rinne noch einmal mehr Kraft auf die Pedalen brigen müssen (die ich nicht mehr hatte), um dann den Moment, als das Hinterrad die glitschige Rinne passiert mit einem "hopp" überstehen zu können. Stattdessen aber rutschte der Gripp über die Schiene ab, "kafatz !" und AUS. Atemlos hänge ich mit der Brust und dem Bauch über dem Lenker, Puls nicht gemessen aber mit Sicherheit im roten Bereich. Offiziell war es die Regenrinne, die mich stoppte, aber innerlich weiß ich, es fehlte die Kraft und die Ausdauer, um das Hindernis "einfach" technisch zu bewältigen. Gleich darauf ist Holger auch da, murmelt was von "gut" und schiebt weiter. Ein Anfahren auf dem Schotter macht mit seinen etwas zahlnos gewordenen Transe2-Wunder-Reifen keinen Sinn. Als ich wieder Luft bekomme und der Puls sich normalsiert, entdecke ich 2m nach der Scheiß-Rinne auf der linken Seite des Weges eine kleine Plattform, die reicht, um ebenfalls quer zum Weg mit 2-3 Umdrehungen der Kurbel wieder starten zu können. Also schiebe ich 2m und setze meine Auffahrt fort. Es wiederholt sich dann der Eiertanz um Gleichgewicht, Fahrrinne,Umdrehungszahl der Kurbel und mangelnde Ausdauer, der mich immer wieder mit den Füssen  auf den Boden zwingt. Aber erst an der Alm unterhalb der  Reindlalm finde ich mit den Alberts ebenfalls keine geeignete Stelle mehr um anfahren zu können, und schiebe nach 5 gescheiterten Versuchen schließlich entnervt weitere 6-7m bis zur nächsten Startmöglichkeit. Der Rest ist kein Problem mehr, und so erreiche ich die Reindlalm schließlich mit insgesamt 7 Bodenberührungen (fuck, immernoch 7!) und etwa ebenfalls 7 geschobenen Metern. Den Rest bin ich gefahren.
Das ist keine großartige Leistung, aber immerhin der beste Wert, der uns Dreien bis heute am Wendelstein gelungen ist. Natürlich waren wir uns gleich einig, dass es einige Typen geben wird, die das Ding ohne break werden fahrn  können. Ich für mich kann nur sagen, es braucht noch mehr Kraft und Kondi als am 21., und wohl auch eine gute Portion Glück, immer die richtige Rinne zu finden udn auch zu treffen. Ob ich das je werde schaffen können, wage ich heute zu bezweifeln. Aber es bleibt eine Referenzstrecke, die durchaus ein gutes Messwerkzeug vor einem nächsten Ötzi sein kann.

Die Auffahrt zum Spitzingsee und zum Rotwandhaus bin ich dann durchgefahren, auch die Auffahrt zum Sudelfeld habe ich dann ohne Bodenkontakt bewältigt. Aber darum gings ja dann nimmer. Am Ende waren es 2400hm auf 65km, eine schöne Tour (trotz Tragestrecken), ein gutes Gefühl bei mir, denn die kleinen Erfolge haben mich motiviert und ich hätte auch die Runde noch weiter fahren mögen, aber gut war dann auch gut.
Es war niemals nicht der Hauch einer Revenge des Ötzis, denn so wars nicht gedacht (es schwebte nur mit) und es ist lächerlich gegen den Ötzi. Der bleibt vorerst das Maß aller Dinge, und da gelten die 1:30h Vorsprung vom Holger. Die müssen geknackt werden und der Holger muß im Wiegtritt auf dem Weg zum Tunnel des Timmelsjoch gnadenlos versägt werden. Dann erst wird vielleicht Friede ins Ego einkehren. Und falls das nicht klappen sollte: scheiß egal! Ich hab jetzt schon ernormen Bock, den Ötzi wieder zu fahren !

Bernd



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